Preisträger 2017

Ein Projekt von:

SoNet Soziales Netzwerk München

Am 14. September 2017 hat die Jury, bestehend aus 18 Mitgliedern des großen Münchner zwei:eins-Netzwerkes, die aktuellen Preisträger/-innen aus den vielfältigen Projektideen der 15 nominierten Künstler/-innen ausgewählt.

Kitti & Joy überzeugten mit ihrem Projekt It´s all about the legend. Frech, hintersinnig und mutig thematisieren die beiden Künstlerinnen das Spannungsfeld zwischen Kunst, Werk, Künstler/-in und Öffentlichkeit. Als Spezialistin und Projektpartnerin holten sie die Artmanagerin Mon Müllerschön ins Boot, die große Konzerne wie den Burda-Verlag und wohlhabende Sammler/-innen betreut und daher mit einer Branche vertraut ist, die „ähnlich wie die der Kunstproduktion mit einer eigenen Sprache, eigenen Konventionen und eigenen Spielregeln funktioniert“.

Kitti & Joys Plan ist so einfach wie komplex und hält der Kunstwelt den Spiegel vor. Mit dem Preisgeld und der Medienpartnerschaft zu Hubert Burda Media soll ein Magazin im Stil von Boulevard- und Lifestyle-Zeitschriften wie etwa "Bunte" erscheinen: voller Geschichten, bunt, schillernd, niederschwellig im Look. Der Inhalt freilich ist ironisch gebrochen. Es geht um die Welt der Kunst, gefeiert werden jedoch nicht die Celebrities auf den Vernissagen. Protagonistinnen und Protagonisten sind Künstler/-innen, ihre Profilbildung am Anfang ihrer Karriere, ihre Bedürfnisse, ihre Themen. Wie bewege ich mich auf dem Parkett der Kunstwelt? Wie sieht es hinter den Kulissen aus? Wie lerne ich die Macher/-innen und Sammler/-innen kennen? Wie präsentiere ich mich? Dazu bietet das Magazin "It´s all about the legend" von den Künstlerinnen konzipierte Stories, Reportagen, Fotostrecken und Tipps.

Das Magazin ist eingebettet in die Arbeit von Kitti & Joy: üppig und poppig, mit ironischem Bezug zur Lebenswelt der Mittelklasse, Vielfalt an Materialien und Formen, themen- und situationsbezogen, mit kritischer und emanzipatorischer Sicht auf gesellschaftliche und künstlerische Fragen. Kollaboration spielt für sie eine zentrale Rolle – in der Arbeit als Künstlerinnen-Duo, aber auch im Verbund mit anderen Künstlerinnen und Künstlern sowie Fachleuten.

Die Jury war beeindruckt vom Mut, über ein Thema zu arbeiten, in dem die Preisträgerinnen als junge Künstlerinnen selbst stecken. Offensiv wird dargelegt, dass Selbstvermarktung und -management ein Großteil des Erfolgs sind. Kitti & Joy legen die Spielregeln des Kunstbetriebs plakativ offen und nutzen die Sprache und die Bilder des Konsums, spielen mit der Ästhetik des Alltags und stellen gleichzeitig zur Disposition, wie es zu bestimmten Formen des Wissens und auch des Erfolgs kommt. Ihr Projekt ist im besten Sinne eine „absurde Komödie“, die Tabus bis zur Schmerzgrenze offenlegt und Kontroversen herausfordert.

Doch die Künstlerinnen führen nicht nur in absurde Situationen hinein und prangern an, sondern führen mit Projekten wie "It´s all about the legend" auch Lösungen herbei. Sie übernehmen selbst die Initiative, kooperieren für das Projekt nicht nur mit der Artmanagerin und dem Medienkonzern, sondern auch mit anderen Künstlerinnen und Künstlern. Hinter der Idee und dem Konzept spinnt sich ein großes Netzwerk aus Kolleginnen und Kollegen unterschiedlichster Disziplinen. In gewisser Weise springen Kitti & Joy über den tradierten Schatten und wählen Partner/-innen, die zwar Teil des Kunstmarktes, aber von der eigenen Lebenswelt als Künstlerin meilenweit entfernt sind. Es ist eine Branche, die eine andere Sprache und einen anderen Habitus hat als die Produzenten der Kunst.

Im dritten Jahr des Kunstpreises zwei:eins zeichnet die Jury ein interdisziplinäres Projekt aus, das programmatisch die Player des Kunstbetriebs einbezieht. Scheinbar affirmativ, aber im Grunde subversiv zielt das Projekt mit voller Power darauf, die Produzentinnen selbst ins Scheinwerferlicht zu rücken und neue Rituale und Szenarien für die Kunstwelt der Zukunft zu entwickeln.

Elisabeth Hartung
für die Jury

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